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Warum wir den Unterschied machen – jeden Tag
Zwischen Klimazielen, Digitalisierung und bezahlbarem Wohnen steht die NHW täglich vor komplexen Entscheidungen. Im Gespräch erklären Dr. Thomas Hain, Frau Monika Fontaine-Kretschmer und Dr. Constantin Westphal, warum Balance heute wichtiger denn je ist, wie die neue Klimastrategie den Bestand schneller voranbringen soll und weshalb Digitalisierung für die NHW weit mehr als nur ein Technologiethema ist.
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„Den Unterschied machen“, das ist das Leitmotiv des diesjährigen Geschäftsberichts. Wo hat die NHW Ihrer Ansicht nach in der letzten Woche den Unterschied gemacht?
Dr. Hain: Unterschied machen ist gar nicht so neu. Was mich wahnsinnig freut, ist, dass ich jetzt über einen Zeitraum von fast 15 Jahren erlebe, dass unsere Nummer-eins-Positionierung so bei unseren Mitarbeitenden verankert ist, dass wir in der Tagesarbeit bestrebt sind, den Unterschied zu machen, besonders gut zu sein und besondere Themen zu treffen.
Fontaine-Kretschmer: Es ist wichtig, ambitionierte Ziele zu haben und gleichzeitig zu überlegen, wie der gemeinsame Weg dorthin gelingt. Ich glaube, genau das zeichnet uns aus und spielt auch in diesem Leitbild eine wesentliche Rolle: Es ist ambitioniert, aber dennoch machbar.
Die NHW hat 2025 ihr Leitbild überarbeitet. Warum?
Dr. Hain: Wir leben in einer Welt, die sich permanent verändert, mit einer wachsenden Geschwindigkeit und ganz neuen Rahmenbedingungen. Daher war es nach zehn Jahren einfach notwendig, dass wir unser bis dahin geltendes Leitbild anpassen, das uns einen neuen Kompass bringt. Dabei haben wir drei Handlungsprinzipien ergänzt: mehr Verantwortung übernehmen, mehr wertschätzend handeln, mehr Kraft entfalten.
Mehr Verantwortung übernehmen heißt, in der Tagesarbeit Entscheidungen treffen zu wollen, wohlwissend, es können Fehler passieren. Wertschätzend handeln, vor allen Dingen im Umgang mit unseren Kunden, aber auch untereinander. Mehr Kraft entfalten heißt, Potenziale zu entwickeln und Dinge einfach auszuprobieren.
Das Leitbild greift auch das Thema Balance auf. Was hat es damit auf sich?
Dr. Hain: Wir haben einerseits die Tradition, andererseits die Innovation. Wir haben die Stabilität auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Agilität. Wir haben den bezahlbaren Wohnraum und auf der anderen Seite aber auch die Wirtschaftlichkeit zu beachten. Zwischen diesen Polen müssen wir tagtäglich eine Balance finden.
Bezahlbarer Wohnraum und Wirtschaftlichkeit: Wie vermitteln Sie zwischen diesen Polen?
Dr. Westphal: Das ist der größte Spagat, dem wir uns täglich gegenüberstehen. Wir haben zum einen den sozialen Auftrag. Wir erhöhen die Mieten in unserem Bestand nicht so, wie das gesetzlich möglich wäre. Gleichzeitig müssen wir das Unternehmen stabil führen.
Insbesondere bei der Schaffung von neuem Wohnraum stehen wir vor wachsenden Herausforderungen: steigende Baukosten, gestiegene Zinsen und eine Vielzahl von Vorschriften, die unseren Neubau verteuern. Außerdem müssen wir jedes Jahr neu unser laufendes Instandhaltungsbudget einstellen.
Wie kommen Sie denn unter diesen Voraussetzungen auf Ihrem Klimapfad voran?
Dr. Hain: Wir bleiben auf dem Weg unseres Klimapfades. Wir haben allerdings im letzten Jahr mit unserer neuen Klimastrategie einen Paradigmenwechsel vollzogen, nämlich weg von der Vollmodernisierung hin zu einer Sanierung mit einer sehr geringen Eingriffstiefe.
Das ermöglicht uns, dass wir, anstatt wie bisher ca. 800 Wohneinheiten pro Jahr annähernd klimaneutral hinzubekommen, diese Schlagzahl erhöhen können auf fast 2.000 Wohneinheiten pro Jahr.
Dr. Westphal: Wir setzen auf CO₂-Effizienz statt auf Energieeffizienz. Und es hat drei Vorteile: Wir erreichen mehr als das Doppelte an Wohnungen pro Jahr, wir sparen entsprechend CO₂-Abgabe und wir vermindern das Risiko für Mieterhöhungen für unsere Mieterinnen und Mieter.
Das heißt, die Mieterinnen und Mieter profitieren?
Fontaine-Kretschmer: Ziel unserer Modernisierung ist vor allem der Wechsel hin zu regenerativen Energien, damit unsere Mieterinnen und Mieter wirtschaftlich an der Energiewende partizipieren können.
Gleichzeitig haben wir unsere Investitionen in der Modernisierung noch einmal deutlich erhöht und im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 100 Mio. EUR überschritten. Wichtig ist uns dabei, nicht nur die Zahl der Wohnungen zu steigern, sondern auch gezielt in das Erreichen der ambitionierten Klimaziele zu investieren.
Bei der Entwicklung Ihrer Energieversorgung brauchen Sie auch Mitspieler. Was tun Sie hier?
Fontaine-Kretschmer: Unser Wohnungsbestand ist an 110 Standorten Teil kommunaler Wärmeplanungen und Klimastrategien. Deshalb übernehmen wir vielerorts Mitverantwortung und gestalten politische Lösungen aktiv mit.
Dr. Hain: Und deswegen haben wir im Jahr 2025 schon angefangen, intensiv mit dem Aufbau und der Vertiefung von Netzwerken mit Wohnungsbaugesellschaften und auch mit Energieversorgern zu arbeiten, damit wir zukünftige Potenzialgebiete für die Energieversorgung identifizieren können.
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Wie halten Sie die Energiekosten für die Mieterinnen und Mieter niedrig?
Fontaine-Kretschmer: Indem wir am Markt aktiv bleiben und starke Partnerschaften eingehen. Mit der Mainova haben wir beispielsweise einen verlässlichen Partner gefunden, der uns Strom aus einem deutschen Solarfeld mit eindeutigem Herkunftsnachweis liefern kann. Das ist besonders wichtig, weil zertifizierter Grünstrom mit transparenter Herkunft in der Regel teurer ist. Durch die Partnerschaft ist es uns jedoch gelungen, diesen Strom für unsere Mieterinnen und Mieter zu Konditionen anzubieten, die nicht höher sind als bei herkömmlichem Grünstrom ohne konkreten Herkunftsnachweis.
Die politischen Erwartungen sind groß. Wie balancieren Sie denn das Thema Klimaschutz und Bezahlbarkeit?
Dr. Westphal: Mit Ehrlichkeit und Kommunikation. Wir sprechen mit Mitgliedern der Landesregierung, unseren Gesellschaftern und Mitgliedern der Bundesregierung, weil wir uns nicht mit unrealistischen Zielen oder nicht erfüllbaren Versprechen verheben.
Ein Strategiebaustein der NHW lautet Digitalisierung und Automatisierung. Warum hängen Sie das Thema so hoch auf?
Dr. Hain: Weil die modernen Arbeitswelten ohne digitale Instrumente am Arbeitsplatz nicht mehr denkbar sind. Das ist der eine Punkt. Und der andere ist, dass wir auf den demografischen Wandel reagieren wollen und müssen.
Dr. Westphal: Richtig. Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten, Auszubildende zu gewinnen, die in kaufmännischen oder gar technischen Berufen bei uns beginnen wollen. Und wir finden für die Kolleginnen und Kollegen, die in Rente gehen, am Arbeitsmarkt nicht mehr so qualifizierte künftige Mitarbeitende. Daher müssen wir in unseren Arbeitsprozessen effizienter werden und versuchen, auch mit weniger Mitarbeitenden die gleichen Aufgaben meistern zu können. Und das gelingt uns mithilfe der Digitalisierung.
Welche Rolle spielt bei der NHW in Zukunft die KI?
Dr. Hain: Eine große Rolle wird sie spielen. Jede und jeder von uns wird eine Unterstützung durch eine künstliche Intelligenz erhalten, die manchmal langweilige oder anstrengende Aufgaben übernehmen kann. Die KI wird in unserem Arbeitsalltag ein selbstverständlicher Begleiter werden.
Dr. Westphal: Wir sind jetzt bei der Einführung der digitalen Mietverträge. Das wird uns sehr viele Arbeitsschritte einsparen und wir holen unsere Mieterinnen und Mieter da ab, wo sie heute kommunizieren. Wir haben inzwischen über 16.000 Nutzerinnen und Nutzer bei der Mieter-App und die Möglichkeit, über das Einscannen eines QR-Codes unsere Schreiben an die Mieterinnen und Mieter auf sieben Sprachen übersetzen zu können.
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Frau Fontaine-Kretschmer, Sie verantworten auch den Unternehmensbereich Stadtentwicklung. Wie verändert KI Ihre Arbeit?
Fontaine-Kretschmer: In der Stadtentwicklung treffen wir langfristige Entscheidungen, die viele Menschen betreffen. Dafür brauchen wir belastbare Datengrundlagen. KI hilft uns dabei, große Mengen an Umwelt- und Bevölkerungsdaten schneller auszuwerten und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Laut einer Studie scheitern über 80 Prozent aller KI-Projekte. Was machen Sie bewusst anders?
Dr. Westphal: Erstens klären wir unsere Systemlandschaft. Wir machen unsere Hausaufgaben. Und zum Zweiten: Wir versuchen, die KI in unseren Alltag zu übernehmen. Wir müssen uns öffnen für die Möglichkeiten, die uns KI bietet und diese durch tägliches Anwenden in unsere Arbeitsprozesse integrieren.
Wie verhindern Sie, dass die Digitalisierung nicht auch neue Barrieren schafft?
Dr. Hain: Das erreichen wir nur, wenn wir in eine sehr detaillierte Kommunikation gehen, nicht nur mit unseren Mitarbeitenden, sondern auch mit unseren Mieterinnen und Mietern, um zu verhindern, dass Berührungsängste mit neuer Technik dazu führen, dass man sie nicht annimmt.
Was muss passieren, damit die Digitalisierung bei der NHW nicht als Projekt, sondern als Selbstverständnis funktioniert?
Fontaine-Kretschmer: Na, wir müssen sie machen. Das macht den Unterschied.
Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.