Die NHW hat die folgenden wesentlichen Risiken und Chancen in Bezug auf Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft identifiziert:
Ressourcenzuflüsse und Ressourcennutzung | ||||
Chance | Vorgelagerter Wertschöpfungskette und eigene Geschäftstätigkeit | Positive Auswirkung auf die Umwelt und die eigenen CO₂-Emissionen durch die Kreislaufwirtschaft | ||
Risiko | Vorgelagerter Wertschöpfungskette und eigenen Geschäftstätigkeit | Negative Auswirkung durch eingeschränkten Zugriff auf Kreislaufmaterialien und Lieferanten sowie Bauunternehmen | ||
Die NHW verfolgt seit dem Jahr 2025 das Konzept, dass die Unternehmensgruppe mindestens 30 Prozent der jährlichen Neubauvorhaben und den Zielwert von 20 bis 28 kg CO2-Äquivalenten pro Quadratmeter und Jahr über den Lebenszyklus einhält. Zusätzlich soll der Anteil kreislaufähiger oder recycelter Produkte und Baumaterialien in allen Neubauvorhaben steigen. Bei unserem Strategieprozess in den Jahren 2022/23 haben wir zum Thema Kreislaufwirtschaft zahlreiche Maßnahmen identifiziert (siehe NHW Nachhaltigkeitsbericht 2023, S. 75). Grundsätzlich geht es dabei um Aspekte wie Ressourcenschonung, kreislauffähige Produkte (vor allem Baumaterialien), Produktlanglebigkeit und nachhaltiges Abfallmanagement. [E5-1 / GRI 303 3-3]
Die Maßnahmen der NHW in Bezug auf Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft umfassen die Entwicklung von Projekten in diesem Bereich, erste Pilotprojekte und die Prüfung von Kreislaufkonzepten für die NHW wie das Cradle-to-Cradle-Konzept. Diese Maßnahmen sind kurz-, mittel- und langfristig angelegt und im Folgenden beschrieben. [ESRS E5-2 / GRI 301]
Das Designprinzip Cradle to Cradle („Von der Wiege zur Wiege“) beschreibt die Zirkulation von Materialien oder Nährstoffen in Kreisläufen. Alle Inhaltsstoffe sollen danach chemisch unbedenklich und kreislauffähig sein. Müll im heutigen Sinne soll es nicht mehr geben.
Dieses Prinzip der potenziell unendlichen Kreislaufwirtschaft rückt innerhalb der NHW immer mehr in den Fokus des Nachhaltigkeitsmanagements und des Technischen Qualitätsmanagements. Die NHW will zukünftig von Anfang an den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes in den Blick nehmen und sammelt dafür in ersten Pilotprojekten Erfahrung (siehe Abschnitt Pilotprojekt: Recycling-Aufstockung).
Der Lebenszyklus gilt als Schlüssel, um Emissionen aus der Herstellung von Baumaterialien (graue Emissionen) und den zugehörigen Energieverbrauch (graue Energie) zu ermitteln und gezielt zu senken. Danach entstehen 11 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen bei der Baustoffherstellung. Bei einem Neubau (gemäß KfW 55) macht die graue Energie etwa 50 Prozent des Energieverbrauchs im Lebenszyklus aus.
https://bauwende.de/factsheetgraueenergie
Bei der Errichtung sollte deshalb die Rückbaufähigkeit gleich eingeplant sein, bestenfalls in einzelne Baustoffe sortenrein trennbar. Größtmögliche Homogenität des verwendeten Materials ist anzustreben, um qualitativ hochwertige Rezyklate zu generieren.
Auch hinsichtlich bereits umgesetzter und noch zu erwartender Regularien wird die Recycling-Fähigkeit von Produkten immer mehr an Bedeutung gewinnen (beispielsweise bei der EU-Taxonomie oder der recycelbare Anteil nach CSRD/ESRS). Auch bei den Förderbedingungen für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) spielt wiederverwertbares Baumaterial eine zentrale Rolle: Die Rechenregeln für den QNG-Standard betrachten die Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.
Erfahrungen sammelten wir mit unserem Pilotprojekt in Kelsterbach, Hessens erster Recycling-Aufstockung im Jahr 2023. Durch Nachverdichtung schufen wir hier 126 Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum. Bei der Aufstockung unseres Bestandsgebäudes verwendeten wir 50 Prozent recycelte Materialien: Holzrahmenbauwände, Fenster, Balkonverkleidungen, Dachabdichtungen, Fallrohre und sogar Abdeckungen für Lichtschalter stammen aus eigenen Abriss- und Modernisierungsprojekten in Frankfurt am Main und Wiesbaden. Durch die Wiederverwendung sparten wir 11 Tonnen CO2, 50 Prozent Müll und 500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für die Ständer der Holzrahmenbauweise nutzten wir beispielsweise 30 Kubikmeter Holz aus Abbruchmaßnahmen. Das Anliefern, Lagern und Aufbereiten des Materials waren zwar arbeitsintensiv, dennoch sparte allein dieser Posten 25.000 Euro ein. Entscheidend für uns: Die eingesetzten recycelten Baustoffe sind zertifiziert und mit Garantien versehen; gesetzliche Vorgaben wurden eingehalten. Das betraf auch die 500 Quadratmeter große Dachfolie, die nach ausgiebiger Inspektion sogar bei zwei Recycling-Aufstockungen wiederverwendet wurde. Studien und Gutachten bescheinigen den Bahnen hohe Qualität und eine Langlebigkeit von mindestens 55 Jahren.
Grundsätzlich lassen wir bei geplanten Modernisierungen eine Schadstofferkundung durchführen und belastete Bauteile ordnungsgemäß entsorgen. Diese Maßnahmen gehen teilweise über die gesetzlich geforderten Standards hinaus.
www.nhw.de/magazin/artikel/circular-economy-auf-der-baustelle
Derzeit können keine Ressourcenzuflüsse berichtet werden. [ESRS E5-4 §31 (a) und (b) / GRI 301-1] Ebenso liegen keine Informationen zu eingesetzten wiederverwendeten oder recycelten Materialien vor. [ESRS E5-4 §31 (c) / GRI 301-2] Das Thema Ressourcen und Kreislaufwirtschaft hat die NHW in ihrer Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS als wesentlich definiert. Zukünftig ist das Thema Teil der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und wird Eingang in die Berichterstattung finden. [ESRS E5-4 / GRI 301]
Die NHW erfasst bis jetzt keine Baustellenabfälle, da die Entsorgung durch die beauftragten Baufirmen erfolgt. Eine Ausnahme bilden schadstoffbelastete Materialien. Unternehmensweit wird der Müll in Verpackung, Papier und Restmüll getrennt; für elektronische Kleingeräte stehen separate Sammelbehälter zur Verfügung. [ESRS E5-4 / GRI 306]
In der folgenden Tabelle werden die eigenen Ressourcenabflüsse, also insbesondere Abfälle, berichtet.
ESRS E5-5 - Ressourcenabflüsse | ||||||
2022 | 2023 | 2024 | ||||
Abfall (in Tonnen) | ||||||
Gesamtmenge Abfallaufkommen | 186 | 208 | 220 | |||
Vorbereitet zur Wiederverwendung | – | – | – | |||
Recycling | – | – | – | |||
Sonstige Verwertungsverfahren | – | – | – | |||
Gefährliche Abfälle (in Tonnen) | ||||||
Verbrennung | – | – | – | |||
Deponierung ¹ | 181 | 98 | 169 | |||
sonstige Arten der Beseitigung | – | – | – | |||
Gesamtmenge gefährliche Abfälle | – | – | – | |||
1)Keine Erfassung unbelasteter Baustellenabfälle, da Entsorgung durch Fremdfirmen.